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Hilltop Garden
Besetzung: Ron Spielman: vocals, acoustic guitar, mandolin,
banjo // Jo Ambros: electric guitar, dobro, pedal steel //
Rainer Tempel: piano, wurlitzer piano // Markus Bodenseh:
acoustic and electric bass // Torsten Krill: drums, percussion
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Ron Spielman - Hilltop Garden
Someone mended something broken / made a circle from a
square /
Gave hope when all was lost andŠ / made the darkness disappear.
Ein Album von Ron Spielman ist ein bißchen wie ein abendliches
Treffen mit einem guten, ruhigen Freund. Man lässt sich nieder,
spricht ein bißchen über dies und jenes und genießt das Zusammensein.
Eine emotionale Oase, ein Ort des Rückzugs aber auch ein Freiraum,
die Gedanken fließen zu lassen und auf eine sehr stille Art
einen neuen Blick auf das Leben zu gewinnen. Ein solcher Ort
ist Hilltop Garden, ein Garten jenseits des Trubels, eine
Chance, durchzuatmen und von oben einen Blick auf das Treiben
in der Welt zu werfen.
Und es ist das neue Album Spielmans, das zweite Soloalbum
des feinfühligen Songwriters auf dem kleinen Label frimfram.
Bereits vor etwa drei Jahren gab Spielman mit seinem Solodebüt
From My Songbook einen hohen Standard vor, der von Presse
und Kritik sehr wohlwollend aufgenommen wurde. Spielmans
Songs sind gut abgehangen, aber luzide, erzählen prägnante
Geschichten von Hoffnung, Liebe, Verlust und Tod," bemerkte
Jazzthetik, und die Nürnberger Nachrichten lobten: In
Sachen Spielfreude und Blues-Feeling sucht der ausdrucksstarke
Sänger und Gitarrist hierzulande seinesgleichen." Ein
Kollege vom Online-Magazin rocktimes.de stellte fest: Wenn
dieses Album von Sting veröffentlicht worden wäre, würde er
dafür in Windeseile Platin einheimsen, und die Fachpresse
würde sich überschlagen und von einem neuen Meisterwerk sprechen",
und traf den Nagel damit wahrscheinlich auf den Kopf.
Vier Mal wurde Spielman allein im letzten Jahr zum SAT.1-Frühstücksfernsehen
und einmal zum ZDF-Mittagsmagazin eingeladen und ein Auftritt
im ZDF Fernsehgarten, auf den Spielman selbst mit amüsiertem
Schmunzeln zurückblickt, präsentierte ihn einem TV-Millionenpublikum.
Es war mehr eine Erfahrung als ein Erfolg," erzählt
er. Aber es war interessant, das einmal mitzumachen."
Nein, Spielman sieht sich selbst nicht als fernsehkompatiblen
Mainstream-Künstler, obwohl seine Fans umso begeisterter und
in jeder stilistischen Region zu finden sind.
Wie schon From My Songbook entstand auch Hilltop Garden in
Torsten Krills frimfram-Studio, das sich in den letzten Jahren
zu einer eigenen Klasse entwickelt hat. Produzent Krill selbst
rührt die Drums und die Percussions auf dem Album, und nicht
zuletzt die tiefe Freundschaft zwischen Krill und Spielman
dürfte zur intensiv-intimen Atmosphäre beigetragen haben,
die Hilltop Garden auszeichnet. Die Studiocrew setzt sich
diesmal aus dem Line-Up zusammen, das Spielman auf der Songbook-Tour
durch Deutschland begleitete: Tastenmann Rainer Tempel, selbst
erfolgreicher Leiter einer Bigband, Gitarrist Jo Ambros (Helen
Schneider) und Bassist Markus Bodenseh (Fanta 4 etc).
Textbeistand gab es von John Barry aus der Sunny Jim Band,
ebenfalls einem guten Freund Spielmans. Mit Krill zusammen
gelang es Spielman ein weiteres Mal, ein Album größter Intensität
zu schaffen, bei dem Songs und Sound untrennbar miteinander
verbunden sind. Die endgültigen Arrangements entstanden bei
der Bandimprovisation im Studio.
Home ist so ein Song, für den ich nur eine Skizze hatte,
und der sich im gemeinsamen Zusammenspiel organisch entwickelte",
so Spielman. Zur ausgiebigen Spielfreude der Band gehört freilich
das Ausprobieren, und so findet man neben einer Reihe von
zusätzlichen Instrumenten wie Wurlitzer, Bongo, Mandoline
und Pedal Steel-Guitar auch scheppernde Teekannen und einen
Löffel, der an ein Glas schlägt eine ganze Fülle an Sounds,
die Krill mit feinem Händchen in eine brillant transparente
und ungemein warme Produktion verwandelte. Auch rhythmisch
gehen die Songs aus dem Garten auf der Hügelkuppe ihre eigenen
Wege. Man findet neben knackigem Rhythm'n'Blues und sehr entspannten
Jazz- und Swinggrooves auch mal einen Walzerrhythmus und immer
wieder afrikanische Rhythmen, die durch die Überlagerung vieler
Percussions entstanden.
Keine Frage, in Ron Spielmans Garten geht es farbenfreudig
zu, aber nicht unübersichtlich: Ich habe mich für Hilltop
Garden in den Klang zurückgezogen. Ein paar Akkorde, sanfte
Rhythmen, das alles aber nicht zu kompliziert, sondern nah
am Song." Typisch für Ron Spielman geht man beim Groove
mit und steigt über die starke Melodiösität in die Musik ein.
So berührt der Opener Home mit einer fragilen Melodie und
zurückhaltender Instrumentierung, die dem Ohr einmal die Möglichkeit
gibt, sich zurückzulehnen. Nicht minder harmonisch beschwört
Paradise Island eine kleine, heile Welt. Mein Garten
befindet sich auf einem Berg, wo noch alles in Ordnung ist
und ich unerreichbar bin," so Spielman. Ich lebe
seit einigen Jahren in Berlin und da geht es sehr schnell
und unruhig zu. Hilltop Garden ist ein Gegengewicht dazu."
In diesem Garten wird auch gefeiert, wie etwa In Another Life,
das mit seinem leichtfüßig-sprunghaften Rhythmus euphorisierende
Wirkung versprüht. Aber nicht alle Songs gleiten einfach so
durch, es gibt auch die Wächter im Garten, an denen man vorbei
muss.
Etwa Leaving For Hollywood, das beginnt wie ein traurig-einsamer
Soundcheck in einer Jazzbar, der unweigerlich in tiefe Melancholie
führt. Oder der Titelsong, der durch schwebende Wurlitzerklänge
nahezu Unwirkliches erstehen lässt. Ich habe in den
letzten Jahren einige liebe Freunde verloren," erklärt
Spielman. Und ich habe mich gefragt, was nimmt man eigentlich
mit? Worum geht es auf der Welt?
Auch im Angesicht des Todes geht der Alltag weiter. Woran
werden die Menschen sich erinnern, wenn Du gegangen bist?"
Die Antwort gibt er selbst.
Mit Radio Me, einem Statement künstlerischer Selbstbehauptung
unabhängig von kommerziellem Erfolg oder Misserfolg (I¹m
my own boss, can play any song I choose // And there¹s nothing
I like better than getting behind that mike / and sending
my best wishes / to myself, I and me), und Fretboard Highway,
einer swingenden Hommage an das Griffbrett der Gitarre, das
aus nur 24 Bünden und sechs Saiten immer wieder Neues entstehen
lässt und an die großen Gitarristen, die zu Rons persönlichen
Meistern gehören. Landau, Paul Kossoffs, Hendrix, McLaughlin
eine Reihe, in die man auch einen Spielman mit seinem ungemein
flüssigen und leichten Spiel aufnehmen könnte. Es gibt weitere
Highlights, etwa das lässige Favourite Actress, das traumhaft
melodische I'll Fail oder die weit herausragende Re-Interpretation
des Nina Simone/Animals/Joe Cocker-Klassikers Don't Let Me
Be Misunderstood von Bennie Benjamin.
Wie From My Songbook ist auch Hilltop Garden ein persönliches
Album, das aus der starken Gefühlsintensität seines Erschaffers
lebt ein privater Garten hinter einer mit Rosen bewachsenen
Mauer. Aber das Tor zum Garten steht offen, und man sollte
hineingehen. Eine entspannte Begegnung und ein aufbauendes
Gespräch sind einem sicher. Und mit Ron Spielman kann man
sich auf einen sehr angenehmen Gastgeber einstellen.
© Tom Beege 2007
Ron Spielman - Biografisches
Seit über zwanzig Jahren ist Ron Spielman bereits unterwegs
als Musiker, Bandleader und Solokünstler. Ganz der Gitarrist
der "alten Schule", lernte er Gitarrespielen und
Songwriting live von amerikanischen GIs und ideell von Größen
wie Jimi Hendrix, McLaughlin, Cream und Traffic. Mittlerweile
ist die Gitarre zu einem Körperteil und das Songwriting zu
seiner natürlichen Sprache geworden.
Ron Spielman wurde 1964 im fränkischen Schweinfurt geboren,
seine erste Gitarre bekam er im Alter von 14 Jahren in die
Hände. Als Autodidakt brachte er sich selbst die ersten Akkorde
und Licks bei, orientierte sich dabei an Hendrix, McLaughlins
Mahavishnu Orchestra, Cream und Traffic. Eine Begegnung mit
einem GI brachte den Schreinerlehrling in den Kreis amerikanischer
Musiker, die ihm während inspirierender Jam-Sessions einen
professionellen Zugang zum Instrument verschafften.
1980 gründete Ron Spielman seine erste Band Stoneground",
deren Debüt On The Ground 1992 erschien. Die achtziger Jahre
verbrachte Ron im Umfeld der “Sulzheimer Kommune", einer
ländlichen Musiker-WG, in deren Dunstkreis auch Bands wie
Ära und Embryo zu finden waren. In dieser Phase stellte er
unter anderem die "Bewegung 8. März" auf die Beine,
die die Aufbruchsstimmung mit Rons Neugier für Musikformen
verband.
1992 veröffentlichte er mit der Pop-Formation "Body &
The Beat" das Album Wild World.
Schon 1991 erfüllte sich Ron Spielman einen lang gehegten
Traum: Mit der Ron Spielman Band" rief er eine
Rhythm'n'Blues-geprägte Big Band mit acht Mitgliedern ins
Leben. Das erste Album Skin & Wire entstand 1991, Solution
folgte 1994, Electric Sonnet 1996 und 2001 entstand die bisher
jüngste Produktion Intelligent People. 1994 verlieh die Stadt
Schweinfurt Ron den städtischen Kunstförderpreis, der höchst
selten einem Rockmusiker verliehen wird. In der Folge schufen
sich Ron Spielman & Band einen Namen, der auch überregional
an Bedeutung gewann und zudem internationale Verbindungen
schuf: Man tourte mit der Little River Band, Steve Marriott,
Dave Stewart, der Chick Corea Electric Band, Bob Geldof und
anderen Acts ähnlichen Kalibers.
1996 widmete die Fachzeitschrift Gitarre & Bass (11/96) Ron
Spielman & Band einen großen Artikel.
1999 zog Ron Spielman nach Berlin, um sein musikalisches Feld
zu erweitern und Kontakte zu neuen Musikern zu schließen.
2004 erschien sein erstes Soloalbum From My Songbook, das
den Grundstein für das nun vorliegende Album Hilltop Garden
legte und ebenfalls auf frimfram-Records erschien.
www.ronspielman.de
© Tom Beege 2007
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